Dienstag, 10. Juli 2018

Schlifi und Schlufi - Schildkrötengeschichte Teil2

Fortsetzung (Teil 2)



Da laufen sie nun beide, wie von der Tarantel gestochen, und ohne sich umzusehen, wohin überhaupt, weg - einfach weg.

Doch schon bald bleibt Schlifi erschöpft stehen und stöhnt völlig ausser Atem: "Hach Schlufi, schau mal wo wir sind,  mitten in einer bunten Blumenwiese. Riechst du, wie herrlich es duftet? Lass uns bitte eine Weile ausruhen, ich bin am Ende meiner Kräfte. "

"Kra, kra !" tönt es da plötzlich über ihnen, und wie auf Kommando blicken beide in Richtung Himmel.
Was sie da erblicken, verschlägt Ihnen für einige Sekunden die Sprache!

"Ich fasse es nicht, was meine Augen da erspähen", wimmert Schlifi, "unser Freund lebt noch! "

"Tja, ist ein schlechter Schütze, dieser Lebensmittelhändler. Pech für ihn, Glück für mich. Und ihr?  Seid ihr satt geworden?" Ohne eine Antwort abzuwarten fügt der Rabe noch bei: "Übrigens, ich heisse Krah."

"Freut mich, ich bin Schlufi und..." " Ich weiss, und der andere da, das ist Schlifi!" fällt ihm der Rabe ins Wort. " Die langsamsten Schildkröten der Welt. Haha haha."

"He,he!" drohen die beiden, aber der Rabe fährt fort: "Das waren noch Zeiten, als euer Onkel Egon lebte."

Egon?
Ja, Mutter hatte den beiden immer wieder von ihrem sagenumwobenen Verwandten erzählt. Er soll ein Kraut gefunden haben, das ihn 'schnell,  wie der Blitz' machte.
Ein Tausendsassa. Ein Pfundskerl. Vorbild für Generationen von Schildkröten. Der Stolz der Familie eben.
Die Zeitungen waren damals voll von seinen Abenteuern. Turboschildkröte haben sie ihn genannt. Panzerferrari. Raketenegon.
Er lebte eine Art Leben am Rand der Lichtgeschwindigkeit - mit tragischem Ende allerdings...

Und während die beiden so gedankenverloren in ihren Erinnerungen versinken,  merken sie gar nicht, dass der Rabe sich schon wieder verabschiedet hat.

Einige Zeit später schauen sich die beiden allerdings verdutzt an und wundern sich über Krahs schnellen Abgang!
Schlifi überlegt kurz: "Komm Schlufi, lass uns dieses Wunderkraut suchen; wir müssen schneller werden, wenn wir unser Abenteuer fortsetzen und heil überstehen wollen! "

"Tja, und wie wollen wir das anstellen?" fragt Schlufi nachdenklich?

"Da ist guter Rat wieder einmal teuer. Probieren wir jene die gut riechen, oder solche die extrem stinken? Was ist wenn wir Bauchschmerzen bekommen oder noch langsamer werden? "

"Es muss überall gewachsen sein "erwidert Schlifi." Gemäss Mutters Aussage futterte Onkel Egon dieses Zeugs ja dauernd, damit er sein Tempo behalten konnte!
Komm Schlufi, wir ziehen los!"

"Kra, Kra," tönt es in diesem Moment von oben. "Ihr macht euch wohl auf die Socken nach diesem Wunderkraut. Soll ich euch behilflich sein? "

"Du erscheinst wohl immer im richtigen Moment. Belauschst du uns etwa heimlich?" fragt Schlufi etwas verärgert.

"Hey, ich weiss, wo dieses Zeugs wächst, und könnte euch dorthin führen, wenn ihr wollt? Hier findet ihr eh nichts, es wächst nur dort, wo die Sonne den ganzen Tag scheint.
Egon hat mir das höchstpersönlich anvertraut. Habe ihn schliesslich etliche Male begleitet.
Ich könnte langsam vorausfliegen. Und ihr gebt etwas Gas, sofern das möglich ist, und folgt mir."

Hätten die beiden gewusst, worauf sie sich da einlassen, sie wären nicht mitgekommen. Rauf und runter geht die Reise. Wieder und wieder. Stundenlang sind sie unterwegs. Sie leiden Hunger und Durst. Die kleinen Füsse schmerzen und doch will keiner der erste sein, der aufgibt. Tapfer setzen sie Fuss vor Fuss.

Endlich kommen sie am Ziel an.
Krah begrüsst die Neuankömmlinge mit einem eindrücklichen langen Gähnen. "Na endlich, ich dachte mir schon, dass ihr unterwegs kehrt gemacht habt. Jedenfalls willkommen auf dem Zauberberg."

Zauberberg? Ist das nicht der unheimliche Ort, an dem es nachts spukt? O nein. Das darf nicht wahr sein.

"So, Freunde. Hier müsst ihr die Nacht verbringen. Wie ihr seht, geht die Sonne gleich unter. Und das Feenkraut, das wir suchen, muss bei Sonnenaufgang gepflückt werden."

"Was heisst 'ihr'?" will Schlufi wissen.

"Nun, ich verkrümle mich mal runter ins Tal. Dort setze ich mich auf den höchsten Baum. Vögel schlafen nun mal auf Bäumen. Und hier oben hat's ja keine. Mitnehmen kann ich euch leider nicht. Ihr habt ja gesehen, wie anstrengend die Wanderung auf den Zauberberg ist. Wir müssten wieder losmarschieren, noch eh wir unten wären. Aber ihr habt ja eure eigenen Schlafhäuser dabei." Der Rabe zwinkert dabei mit dem einen Auge. Dann winkt er den beiden ein letztes Mal zu und fliegt davon.

"Ich bin vor Sonnenaufgang wieder hier. Versprochen." Und weg ist er.

Schlifi glaubt zu spüren, wie sein Herz zu schlagen aufhört. Und Schlufi ist zur Salzsäule erstarrt.

Allmählich erholen sich die beiden von ihrem Schrecken, so alleine gelassen zu werden an diesem mystischen Ort.

"Komm Schlifi, reissen wir uns zusammen",
flüstert Schlufi ihm ins Ohr. "Schliesslich sind wir auf Abenteuer und Spannung aus. In dieser einsamen Nacht können wir beweisen, was wir drauf haben. "
Die beiden strecken alle ihre Glieder, so dass wieder Energie in ihre starren Körper fliesst.

"Lass uns gemeinsam einen geschützten Schlafplatz suchen, "spricht Schlufi mit mutiger Stimme.
"Ich laufe heute keinen Schritt mehr freiwillig!"
"Schau ,da vorne ist eine kleine Vertiefung ", ruft Schlufi! "Da kuscheln wir uns ganz fest aneinander."
"Ok, ,bin einverstanden ", murmelt sein Bruder.
Müde schleppen sie sich in diese kleine Delle, es vergeht keine Minute, bis beide tief und fest schlafen.....

"Schlufi, hey Schlufi, wach doch endlich auf!" wimmert Schlifi plötzlich mitten in der Nacht.
Schlufi ist ganz benommen, öffnet die Augen, weiss im Moment nicht, wo er sich befindet, möchte einfach nur weiter schlafen!
Schlifi gibt keine Ruhe, und stupst ihn bis er endlich wach ist.

"Schlufi, schau mal diese kleinen weissen Punkte, die da tanzen am Himmel, mir ist nicht geheuer. Ist das etwa Onkel Egons Geist, der uns da winkt, oder sämtliche Geister aller verstorbenen Schildkröten? Huch ich habe solche Angst!!!"
In wachsender Panik fährt er fort:
"Und Schlufi, hinter uns diese zwei leuchtenden roten Punkte, die uns anstarren, uiiiiii mir graut fürchterlich. Weiss du, ich bin aufgewacht weil mich etwas geschubst hat, da öffnete ich die Augen, sah mich um und entdeckte all diese unheimlichen Dinge. "

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